Liebe - ein paar Gedanken

  • Im Duden wird Liebe als ein starkes Gefühl des Hingezogenseins, als starke, im Gefühl begründete Zuneigung zu einem (nahestehenden) Menschen beschrieben. 
  • Für Gerald Hüther, den bekannten deutschen Hirnforscher, bedeutet Liebe eine innere Haltung, eine liebevolle Haltung zu sich selbst und zu anderen. Liebe ist kein Gefühl, sondern das unbedingte Interesse an der Entfaltung des anderen. In liebevollen Beziehungen werden die beiden basalen Grundbedürfnisse des Menschen nach Verbundenheit als auch nach Autonomie und Freiheit gleichzeitig erfüllt. Es entsteht ein Gefühl der inneren Stimmigkeit, von Kohärenz, und diese ist wiederum die Voraussetzung für die eigene Potentialentfaltung und für Lernen, das immer auch soziales Lernen bedeutet. 
  • Für Otto Scharmer ist Liebe kein Gefühl, sondern die Bereitschaft, das höchstmögliche Potential im anderen sehen zu wollen. In seiner Theorie U beschreibt er die vier Bewusstseinsstufen und wie sich das Zuhören und das Gespräche führen in der jeweiligen Stufe verändern (siehe auch den Blog-Beitrag „Die 4 Arten des Zuhörens“). Es bedeutet, auf Urteilen, Zynismus und Angstabwehr zu verzichten und sich mit dem Herzen zu verbinden. Das Herz ist in jeglicher kontemplativen Tradition ein tiefer Konzentrations- und Quellpunkt. Das Herz zu öffnen, mit dem Herzen zu hören und zu sprechen, bedeutet, unsere Wertschätzungs- und Liebesfähigkeit als Wahrnehmungsorgan benutzen zu lernen. Ein Beispiel ist die Grals-Geschichte. Parzivals Herausforderung lag darin, aus der authentischen Präsenz seines Herzens heraus zu handeln und nicht den kollektiven Normen seiner Zeit zu folgen. Die Gralsfrage ist: Was plagt euch? Die Kraft einer solchen Herzfrage liegt in ihrer unmittelbaren, authentischen Präsenz. 
  • Aus dem Brief von Albert Einstein an seine Tochter Lieserl: Es gibt eine extrem starke Kraft, für die die Wissenschaft bisher noch keine Formel gefunden hat. Es ist eine Kraft, die alle anderen beinhaltet, sie regelt und die sogar hinter jedem Phänomen steckt, das im Universum tätig ist und noch nicht von uns identifiziert wurde. Diese universelle Kraft ist LIEBE. Wenn die Wissenschaftler nach einer einheitlichen Theorie des Universums suchten, vergaßen sie bisher diese unsichtbare und mächtigste aller Kräfte. Liebe ist Licht, da sie denjenigen erleuchtet, der sie aussendet und empfängt. Liebe ist Schwerkraft, weil sie einige Leute dazu bringt, sich zu anderen hingezogen zu fühlen. Liebe ist Macht, weil sie das Beste, das wir haben, vermehrt und nicht zulässt, dass die Menschheit durch ihren blinden Egoismus ausgelöscht wird. Liebe zeigt und offenbart. Durch die Liebe lebt und stirbt man. Liebe ist Gott und Gott ist die Liebe.  
  • Der spirituelle Lehrer Eckhart Tolle über die Liebe: Liebe wird üblicherweise als Emotion interpretiert. Da gibt es einen anderen Menschen und in den verliebst du dich. Das ist eine sehr starke Emotion. Eine Emotion, die dich anhaften macht. Gerade in unserer Zeit wird deutlich, wie schnell diese Emotion, diese Liebe, sich ins Gegenteil verwandeln kann. Es gibt da noch etwas Tieferes im Menschen, etwas Tieferes als die Emotion. Ein bestimmter Seinszustand könnte man sagen. Und dieses Tiefere, wo du etwas im anderen erkennst, das nicht getrennt ist von dem, was du bist, etwas, das sich tief mit dem anderen verbindet, das ist etwas ganz anderes. Und die einzige Art und Weise diesen tieferen Zustand der Liebe zu erreichen und ihn aufscheinen zu lassen, besteht darin, in diesem Bewusstseinszustand zu sein, den wir Gegenwärtigkeit oder Präsenz nennen.